Recht & Steuern

Das Trinkgeld und die Steuer

Steuern sind in Deutschland eine ganz eigene Welt. Sie in ihrer Ganzheit zu durchschauen und zu begreifen, scheint vielen unmöglich. Kein Wunder, jagt doch eine Ausnahme von der Regel die nächste. Dabei existiert gerade beim Thema Besteuerung wohl kaum eine Branche wie die Gastronomie, in der es eine Vielzahl an Sonderfällen gibt. Genauer: Beim Trinkgeld. Denn was sich unter einem Begriff so wunderbar zusammenfassen lässt, ist nicht automatisch und immer das gleiche. Warum genau? Das Wichtigste, was Gastronominnen und Gastronomen wissen müssen, haben wir hier zusammengefasst.


Trinkgeld versteuern oder nicht

Die Gebühr auf den Extra-Groschen

Schon vor hunderten Jahren haben Wirte und Gastgeber in Russland, England, der Türkei oder China ein kleines Extra-Einkommen erhalten, das ihre Gäste freiwillig gaben. Ob unter dem Namen Badegeld, Teegeld oder eben – wie wir es heute kennen – Trinkgeld: Im Mittelpunkt stand von Anfang an, seiner Dankbarkeit für sehr guten Service oder der hohen Qualität von Speisen und Getränken durch eine geringfügige Sonderzahlung Ausdruck zu verleihen. Trinkgeld steuerpflichtig zu machen, auf diese Idee kam unser Staat erst vor einigen Jahrzehnten.

Rechtliche Unterschiede beim Trinkgeld

So oder so, wer in der Gastronomie Verkäufe erzielt, kommt nicht drum herum, über die gegenwärtige steuerliche Behandlung von Trinkgeld bestens informiert zu sein. Halten wir an dieser Stelle kurz fest: Ja, unter Umständen müssen Steuern auf eingenommenes Trinkgeld an das Finanzamt abgeführt werden. Das wird in § 3 Nr. 51 EStG , also dem deutschen Einkommensteuergesetz, klar geregelt. Jetzt kommen wir aber zum entscheidenden Punkt: Ausschlaggebend für eine Besteuerung ist grundsätzlich, wer Trinkgeld vom Kunden kassiert. Ob das Finanzamt die Hände aufhält oder nicht, kommt also nur auf genau die Person an, die die Einnahme erzielt.

Trinkgeld wird besteuert - bei Unternehmen

Bist du selbst beispielsweise Betreiber eines Food Trucks, hast du steuerlich leider das Nachsehen. Du musst stets sämtliche Einnahmen – und somit auch alle Trinkgelder – voll versteuern. Der Staat schaut allein auf deine kompletten Betriebseinnahmen und erhebt darauf basierend einen Steuersatz von 7 oder 19 Prozent – je nachdem, ob es sich um bestimmte Speisen oder Getränke handelt. Da du in der Regel kein festes Lokal, sondern vermutlich einen Self-Service anbietest, werden in der Regel alle Betriebseinnahmen aus deinen verkauften Speisen zu 7 Prozent besteuert.

Trinkgeld für Arbeitnehmer ist steuerfrei

Anders sieht die ganze Sache aus, wenn du einen angestellten Kollegen hast, der für dich zum Beispiel zeitweise ein paar Mal im Jahr arbeitet. Erhält diese Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter Trinkgeld von zufriedenen Gästen obendrauf, fällt keine Steuer an. Laut § 107 Nr. 3 Gewerbeordnung zählen Trinkgelder darüber hinaus nicht zur regulären Vergütung eines Arbeitnehmers. Beispiel: Zwei Gäste ordern Green-Smoothies an deiner Bar und geben deinem Kollegen jeweils zwei Euro extra. Die vier Euro kann dein Mitarbeiter, sofern er Angestellter ist, komplett in die eigene Tasche stecken. Das Trinkgeld kann dann also normalerweise voll und abzugsfrei einbehalten werden. Vorausgesetzt, es liegt keine andere interne Regelung im Betrieb vor.

Ausnahme: die Trinkgeldkasse

Das deutsche Steuerrecht wäre nicht das deutsche Steuerrecht, wenn es nicht auch hier eine Ausnahmeregelung gäbe. Wer sozial, gemeinschaftlich und fair das vereinnahmte Trinkgeld als Team – auch wenn es komplett aus Angestellten besteht – untereinander aufteilt, wird nämlich ebenfalls verpflichtet, eine Steuer im Sinne der Betriebseinnahmen in Höhe von 7 oder 19 Prozent abzuführen. Und damit streng genommen benachteiligt. Das heißt im Klartext: Werden alle Einnahmen inklusive der Trinkgelder aller Kollegen zentral in einem “Topf” verwaltet, sind wiederum die kompletten Betriebseinnahmen zu berücksichtigen.

HIMWEIS: Wir können und dürfen keine Steuerberatung geben. Um deinen konkreten Anwendungsfall abzusichern, wende dich daher bitte zusätzlich an deinen Steuerberater.


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